Alpenüberquerung 2017

Im Juli 2017 habe ich gemeinsam mit drei Freunden eine Tour der besonderen Art gemacht. Zu Fuß ging es 300 km über die Alpen. Unsere Tour ging von Oberstdorf in Deutschland, über Österreich und die Schweiz, bis zum Comer See in Italien. Die Kamera hatte ich natürlich dabei und habe viele beeindruckende Aufnahmen machen können. Hier gibt es unsere Tour in Bildern:

Tag 1:

 

Am ersten Tag unserer Reise quer über die Alpen starten wir um 10 Uhr morgens am Söllereck in Oberstdorf. Über den Söllereck Gipfel geht es auf der Deutsch-Österreichischen Grenze rüber zum Fellhorn.

Von der tollen Aussicht, die man dort sonst hat, sehen wir jedoch nicht viel. Fast den ganzen Tag ist es nebelig. Zum Glück bleiben wir vorerst von Regen verschont.

Nach einer kurzen Pause am Fellhorn machen wir uns auf den Weg entlang der Kanzelwand bis zur Fiedererpasshütte. Ausgerechnet am letzten steilen Anstieg kurz vor unserer Hütte fängt es an zu schütten. Als wir völlig durchnässt an der Hütte ankommen fängt es auch noch richtig an zu gewittern. So gegen 16:15 Uhr haben wir endlich die erste Etappe unserer Reise geschafft.

 

Wir werden in einem Bettenlager mit 20 anderen untergebracht ... "das kann ja eine Nacht werden ...", denken wir. Dennoch sind wir hoch zufrieden, dass wir unser erstes Ziel erreicht haben und es noch keine größeren Probleme gegeben hat.  

Tag 2: 

 

Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht auf 2067 Metern verlassen wir um 8:15 Uhr die Fiedererpasshütte. Durch die Fiedererpass-Scharte machen wir uns auf den Weg zur Mindelheimer Hütte. Die Sonne lässt sich heute öfter blicken als gestern. Bereits um 10:45 Uhr sind wir an der Mindelheimer Hütte und müssen uns erstmal trockene Sachen anziehen. Mit 12 Kilogramm auf dem Rücken schwitzt man ordentlich ...

 

Auf dem weiteren Weg zieht sich das Wetter leider wieder zu und den Rest des Weges ist es bewölkt. Heute haben wir auch unseren ersten Verlust in Form eines Pullovers zu verzeichnen. Nach guten sechs Stunden Fußmarsch kommen wir um ca. 15:00 Uhr an der Widderstein Hütte an. Noch ist Zeit für ein Etappenbier unter freiem Himmel bevor pünktlich um 16:00 Uhr der Regen einsetzt. Naja aber wir sind ja heute rechtzeitig im trockenen ...

Tag 3:

 

Um 8:00 Uhr verlassen wir die Widdersteinhütte auf 2015 Metern. Endlich haben wir mal richtig gutes Wetter. Die Sonne scheint und wir können bereits morgens in kurzen Sachen los. Nach dem Abstieg ins Tal fahren wir ein kurzes Stück mit dem Bus nach Lech. Denn die Strecke, welche wir eigentlich gehen wollten, wäre nur mit Kletterausrüstung möglich gewesen. Von einer Mautstation aus gehen wir immer am Fluss das Lechtal hoch und genießen die Sonne und das gute Wetter. Am Fluss machen wir immer wieder kurze Fotopausen.

Nach einer Mittagspause etwas oberhalb vom Älpele (einem Bauernhof im Tal) geht es wieder an den Aufstieg. 2 1/2 Stunden brauchen wir bis zur Göppinger Hütte. Der breite Weg, den wir zunächst gehen, wird immer steiler und schmaler. Auch das Wetter wird mal wieder schlechter ...

 

Um 14:15 Uhr kommen wir an der Göppinger Hütte an. Wir sind alle völlig platt und sind froh erstmal etwas zu essen. Auf unserem Zimmer schläft noch ein weiterer Mann. Er erzählt uns, dass seine Freundin unterhalb der Braunarlspitze vom Helikopter abgeholt werden musste, weil sie sich bei einem Ausrutscher den Mittelfuß gebrochen hatte. Diese Strecke ist die gleiche, die wir auch zuerst gehen wollten ... es war also die richtige Entscheidung den Weg durch das Lechtal zu gehen. Immerhin haben wir ja noch einige Tage vor uns und können uns keine Verletzungen erlauben ... Denn das große Ziel lautet: Heile am Comer See ankommen !!!

Tag 4:

 

8:10 Uhr ... ausgeruht und voll motiviert machen wir uns an den Abstieg von der Göppinger Hütte. Aufgrund unserer gestrigen Wegänderung laufen wir den selben Weg wieder nach unten, den wir gestern rauf gestiegen sind. Vom Älpele geht es ein kurzes Stück durchs Tal mit dem Bus bis zum Spullersee. Leider haben wir nicht das erhoffte Sommerwetter an dieser Stelle. Als wir um den See herum laufen sehen wir vom Weg einen Fluss, der in den See mündet. Wir beschließen abzukürzen und das Gewässer dort zu überqueren ... dieses ist aber doch etwas tiefer und breiter als wir dachten. "Egal" denken wir ... blöderweise kommt erst der letzte von uns auf die Idee sich die Schuhe auszuziehen. Mit mehr und weniger trockenen Füßen wandern wir weiter. Nach weiteren drei Stunden Abstieg erreichen wir um 14:10 Uhr Klösterle.

Hier kommen wir in der Pension Haller unter. Nach den letzten Nächten ist das purer Luxus für uns. Wir bekommen sogar unsere Klamotten gewaschen, welche aufgrund von Warmwasser Mangel auf den Hütten ordentlich am müffeln sind.

 

Am Nachmittag wird es richtig schön warm und sonnig und wir können ein paar Stunden Erholung in Klösterle genießen. Morgen soll es ja mal wieder regnen ...

Tag 5:

 

Es regnet wie aus Eimern! Nach einem mehr als reichlichen Frühstück bei Frau Haller geht es um viertel nach neun raus ins Dreckswetter. Wir Straxeln den steilen Pfad zum Kristbergsattel hinauf. Von außen nass vom Regen, von innen nass vom Schweiß freuen wir uns oben über die Gondel, mit der wir ins Tal fahren können. Von dort aus laufen wir sechs Kilometer an der Straße bis nach Schruntz. Es regnet permanent in strömen und wir beschließen mit der Hochjoch Bahn auf halbe höhe zur Hütte zu fahren. Zum Glück wird das Wetter dann etwas besser und wir können das ein oder andere Foto machen. Von dort aus geht es wieder zwei Stunden einen steilen Pfad hoch zur Wormser Hütte. 20 Minuten vor der Hütte kommen wir dann nochmal so richtig in den Regen. Zudem ist es auch noch ordentlich windig. Von der guten Aussicht an der Wormser Hütte hatten wir mal wieder nichts. Dennoch sind wir irgendwie alle gut drauf. Zu unserer Freude bekommen wir auch gleich mal einen willkommens-Schnaps ausgegeben. Fotografisch gesehen war das Highlight des heutigen Tages der Alpensalamander, den wir kurz vor dem Gipfel gefunden haben.

Tag 6:

 

Um 8:45 Uhr verlassen wir die Wormser Hütte. Wieder ist es so bewölkt, dass man die eigene Hand vor Augen nicht sieht. Dafür hat es aufgehört zu regnen. Mit Sessellift und Hochjochbahn gehts ins Tal, denn wir haben heute noch eine weite Strecke vor uns. Von Schruntz aus gehen wir nach St. Gallenkirch. Nun gehts mehrere Stunden einen sehr langweiligen und anstrengenden Weg das Tal hinauf bis nach Gargellen. Dort kommen wir gegen 15:00 Uhr an und das erste Mal lässt sich heute die Sonne blicken. In der Touristen Info erkundigen wir uns nach der Madrisahütte, da sie auf keiner Karte eingezeichnet ist. Die Dame dort ist super nett und erklärt uns den Weg zu unserem sechsten Etappenziel.

 

Im kleinen Supermarkt nebenan kaufen wir noch Nudeln und einiges an Verpflegung. Auf der Hütte muss man sich nämlich selbst versorgen. Gegen halb sechs am Abend kommen wir dann an. Außer uns ist noch eine Gruppe von 16 Leuten in der Hütte. Die Menschen sind aber sehr gastfreundlich und wir bekommen unser eigenes Zimmer in der kleinen urigen Hütte. Nachdem wir den Sonenuntergang im Flussbett direkt vor der Hütte genossen haben machen wir uns unsere Nudeln in einem großen Topf. Duschen gibt es nicht und sowohl Klopapier als auch warmes Wasser sind Mangelware hier. Dennoch gehen wir satt und zufrieden schlafen. Morgen gehts früh los über die Schweizer Grenze!

 

 

Tag 7:

 

Am siebten Tag unserer Tour stehen wir bereits um halb sechs auf. Wir packen unser Kram zusammen, frühstücken etwas und machen uns gegen sieben auf den Weg. Das Wetter heute soll den ganzen Tag gut werden! Endlich! Durch das Valzifenztal gehts hinauf zum Schlappiner Joch. Unterwegs sehen wir sogar ein Murmeltier aus nächster Nähe. Beim Aufstieg zeigt sich langsam die Sonne hinter den Bergen. Was für ein geiler Moment!

 

Oben angekommen überqueren wir die Schweizer Grenze. Es ist gerade einmal 9:15 Uhr und die Sonne brennt bereits vom Himmel. Nach einer längeren Foto- und Futterpause am Schlappinsee steigen wir nach Klosters ab. Vollkommen durchgeschwitzt essen wir hier erstmal eine Bratwurst und fragen die Kellnerinnen wie wir am besten weiter gehen. Unsere ursprüngliche Strecke nach Serneus verwerfen wir nach Anraten der Damen am Grill und machen uns auf den, Zitat: "einstündigen und kurzen" Weg nach Davos. Zum Glück erkundigen wir uns noch einmal und legen die Strecke mit einer Zahnradbahn zurück. Wenn wir zu Fuß gegangen wären, dann wären wir an diesem Tag nicht mehr angekommen. Dazu kommt noch die Hitze. Mittlerweile sind bestimmt 35 Grad in der Sonne und unsere schweren Rucksäcke machen die Angelegenheit nicht angenehmer.

In Davos angekommen brauchen wir fast drei Stunden ehe wir eine bezahlbare Unterkunft gefunden haben. Dank unseren gekonnten Preisverhandlungen haben wir hier für ein Hotel mit Pool und Sauna inklusive Frühstücks-Buffet 40 Franken bezahlt. Das geht in Davos eigentlich gar nicht (Zum Vergleich: Der Döner hier kostet 10 Franken/Euro)!

Nach der letzten Nacht gönnen wir uns diesen Luxus und lassen es uns mal so richtig gut gehen.

Tag 8:

 

Heute wird Strecke gemacht! Die Schweiz ist uns definitiv zu teuer und wir beschließen unseren Aufenthalt hier nicht ganz so ausgiebig zu gestalten wie geplant. Um 8:45 Uhr gehts von Davos aus los. Wir wandern das Tal in südliche Richtung hinunter. Das Wetter ist wieder richtig schön und auch der Weg durch das Tal ist recht nett. Nach knappen drei Stunden verlassen wir den Weg und steigen etwas am Berg auf. Dann geht es weitere drei Stunden einen Höhenweg entlang. Links geht es tief ins Tal hinab. Rechts strecken sich die Berge in die Höhe. Der Weg führt größtenteils zwischen Bäumen entlang, sodass die Sonne nicht ganz so heftig brennt. Dennoch ist es extrem heiß und der Weg will kein Ende nehmen. Zum Glück bieten sich ab und zu schöne Fotomotive wie diese Kirche (siehe Foto). gegen halb vier kommen wir im kleinen Bergdorf Wiesen an. Wir holen uns im Supermarkt erstmal etwas zu essen und beschließen hier zu übernachten. Eigentlich wollten wir noch weiter absteigen aber die nette Verkäuferin im Supermarkt riet uns hier nach einer Unterkunft zu suchen. Dank ihrer netten Ratschläge haben wir schnell ein schönes und bezahlbares Hotel gefunden. Von unserem Zimmer aus können wir eine der schönsten Bergkulissen auf der ganzen Tour genießen. Abends haben wir zudem endlich mal Glück und können das Alpenglühen beobachten:

Tag 9:

 

So wie der letzte Tag aufgehört hat, so fängt der neue an. Die Sonne scheint und wir sind alle ausgeruht. Kurz schauen wir nochmal im Supermarkt vorbei um uns etwas zu trinken zu kaufen. Bei geschätzten 35 Grad machen wir uns an den Abstieg. Nachdem wir uns etwas verlaufen hatten finden wir zum Glück schnell wieder auf den richtigen Weg und kommen schnell in Alvaneu an. Von dort aus geht es immer am Fluss lang. Ein sehr schöner Weg! Unterwegs machen wir eine längere Pause am Wasser, trocknen unsere Sachen und genießen die Sonne. Gegen halb zwei kommen wir voll durchgeschwitzt in Tiefencastel an.

 

Von dort aus geht es das letzte Stück mit dem Zug nach Thusis. Dort angekommen beginnt die erneute Suche nach einer Unterkunft für die Nacht. Wir finden ein Bed & Breakfast und bekommen dort glücklicherweise noch ein Zimmer. Dies war unser letzter Tag zu viert.

 

Einer muss die Truppe, mangels Urlaubstagen, morgen leider verlassen und mit dem Zug zurück in die Heimat fahren. Den letzten Abend zu viert genießen wir gemeinsam auf der Dachterasse unserer Unterkunft. Ein unvergesslicher Abend!

Tag 10:

 

Nachdem wir uns von unserem vierten Team Mitglied verabschiedet haben, nehmen wir den Bus nach Splügen. Es geht ein enges und steiles Tal hoch, durch das wir zu Fuß nicht hätten gehen können. Von Splügen aus laufen wir hoch zum Splügenpass. Dort verlassen wir endlich die teure Schweiz und überqueren die Grenze nach Italien. Um 13.30 uhr kommen wir in Monte Spluga an. Direkt hinter diesem kleinen Ort öffnet sich der Lago di Montespluga. Ein beeindruckend blauer Bergsee mitten zwischen den toten und felsigen Gipfeln der italienischen Alpen.

 

Es geht weiter der Straße entlang, bis wir auf der anderen Seite des Sees sind. Bei der Vorbereitung unserer Tour haben wir hier mithilfe von Google Maps ein Haus gefunden in dem wir eine Unterkunft vermutet hatten. Eigentlich haben wir nicht damit gerechnet, dass es diese Unterkunft wirklich gibt. Doch plötzlich stehen wir tatsächlich vor dem Rifugio Stuetta. Wir fragen nach einem Zimmer und werden ganz herzlich und nett dort untergebracht. Trotz der tollen Tour war das heute mit Abstand unser Highlight.

Tag 11:

 

Nach knappen zwei Wochen wandern wollen wir uns heute endlich dem Comer See nähern. Morgens geht es erstmal nach Chiavenna. Dort informieren wir uns in der Tourist-Info wie man am besten zum Comer See geht. Wir folgen der Wegbeschreibung der Dame aus der Information. Es ist sehr dunstig, schwül und total warm. Wir gehen einen Fahrradweg das Tal hinunter. Danach geht es auf einem alten Römerweg am Wasser entlang richtung Lago di Mezolla. Hier werden wir von Mücken zerstochen und müssen gute drei Stunden durch den Wald laufen ohne irgend einen See zu erreichen.

 

Dann endlich! Wir kommen aus dem Wald raus und unser Weg endet direkt auf einem Steg im Wasser. Laut der Dame in der Tourist-Information müssen wir rechts um den See gehen. Doch dort ragen steile Felsen in die Höhe. Wir sind am Ende und wissen nicht was wir machen sollen. Zu unserem Glück liegt ein Boot am Steg und wir fragen den Jungen Mann im Boot ob er uns über den See fahren kann. Er schickt uns zu seinem Vater, der mit der restlichen Familie im Schatten ein kleines Picknick macht. Es stellt sich heraus, dass die Familie aus Belgien kommt und ein Sommerhaus am Comer See hat. Wir können unser Glück kaum fassen. Der Vater bietet uns an, uns mit bis nach Menaggio zu nehmen. Das liegt auf der halben Strecke des Comer Sees. Wir schmeißen unsere Rucksäcke ins Boot und fahren ungefähr eine Stunde über das klare und blaue Wasser. Das ist wirklich der perfekte Weg hier anzukommen. Während der Bootsfahrt genießen wir die einzigartige Landschaft und das Gefühl "wir haben es geschafft! Wir haben die Alpen überquert und sind endlich am Comer See angekommen!"  Zudem kommen wir an einer Villa aus dem Film "James Bond - Casino Royale" vorbei ... absolut beeindruckend!

 

In Meaggio verbringen wir noch eine Nacht über einer Pizzeria in einem Zimmer für Gastarbeiter. Heute hatten wir tatsächlich einen der härtesten Wege. Morgen geht es endlich nach Carate Urio - unserem finalen Ziel!

Tag 12:

 

Nach einer warmen Nacht in Menaggio machen wir uns auf in Richtung Como. Mit dem Bus geht es das letzte Stück bis nach Urio.

 

Unterwegs kommen wir am Haus von George Clooney vorbei. Wir bleiben nun noch eine Woche am See, entspannen uns und ich mache Fotos ...

 

Meine Fotos

Nature and landscape photography

Moin, moin! Schön, dass du auf meiner Seite vorbeischaust! Hier findest du Fotos aus dem Harz, dem Vorharz und der Region rund um das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands. Dazu Berichte ich von meinen Reisen, wie der Überquerung der Alpen im Sommer 2017. Wer noch mehr Bilder von mir sehen möchte, der ist herzlich eingeladen auf meiner Instagram Seite "fotoweberei" vorbeizuschauen. Viel Spaß beim Durchsehen meiner Fotos!



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